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Sicher zur Schule - aber wie?
Wednesday, 21. September 2005
Radfahrer sind besonders durch rechts abbiegende Lkw gefährdet. Foto: ar/DVR
Radfahrer sind besonders durch rechts abbiegende Lkw gefährdet. Foto: ar/DVR
 
Alle 14 Minuten verunglückte 2004 in Deutschland ein Kind im Straßenverkehr. Diese Meldung präsentierte das Statischtische Bundesamt Ende August. Auch wenn die Zahl der Unfälle mit Kindern insgesamt rückläufig ist, so steht doch der Handlungsbedarf in Sachen Sicherheit außer Frage. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) stellte die Kinder in den Mittelpunkt seiner Veranstaltung "Schwächere Verkehrsteilnehmer" in Berlin. Das Ergebnis: Mit relativ wenig Aufwand ließe sich viel bewegen.

Zuerst muss bei den Autofahrern das generelle Bewusstsein geweckt werden, dass Kinder unberechenbar sind. Sie rennen einfach auf die Straße, wenn auf der anderen Seite etwas Interessantes lockt. Sie sind sich der Gefahren nicht bewusst. Das gilt besonders für die Grundschüler. Ältere Schüler fahren sehr häufig mit dem Rad zur Schule - und auch dort lauern Gefahren. 2003 gab es nach Angaben Prof Volker Meewes vom Verkehrstechnischen Instituts der Deutschen Versicherer mehr als 60 000 Schulwegunfälle. Fast 46 Prozent ereigneten sich unter Beteiligung von Radfahrern. Besonders Lkw, die rechts abbiegen, sind eine stete Gefahrenquelle. Ein erster Schritt sind Vorlaufzeiten für Fußgänger und Radler an modernen Ampeln. So ist der Radfahrer bereits aus dem toten Winkel, wenn der Lkw-Fahrer abbiegt.

Helmut Bergerhoff, ehemaliger Polizeidirektor, bricht eine Lanze für Schulwegepläne. Die sind nicht selbstverständlich, weil es keine länderübergreifenden Vorschriften zur Erstellung der Pläne gibt. Lediglich vier Bundesländer schreiben Schulwegepläne vor, andere geben nur Empfehlungen. Außerdem macht es viel Arbeit, die Wege der Schüler auf mögliche Gefahren zu untersuchen. Es Bedarf der Zusammenarbeit der Kommunen, der Schulen, der Polizei und natürlich der Eltern, um einen aktuellen Schulwegeplan auf den Weg zu bringen. Was für die Fußgänger gilt, meist in der Grundschule, trifft ebenso auf die Radfahrer zu. Auch hier müssen gefährliche Stellen erkannt und entschärft werden. Eine ausführliche Unfallanalyse der Polizei ist hier unabdingbar. Fragebögen, die von den Eltern ausgefüllt werden, sind ebenfalls wichtig. Nur wer die Gefahrenquellen kennt, kann sie auch eliminieren.

Auch der Schulbus ist eine Gefahrenquelle. Die meisten Unfälle ereignen sich laut Prof Meewes nicht etwa beim Überqueren der Straße nach oder vor der Fahrt zur Schule, sondern im Bus, weil sich die Kinder nach Bremsungen nicht festhalten können und durch den Bus geschleudert werden. Hier seien die Busfahrer gefragt, die für Ordnung im Bus sorgen müssten.

Ein Grundproblem ist auch die häufig überhöhte Geschwindigkeit der Autofahrer. Kinder können Geschwindigkeiten noch schlechter abschätzen als Erwachsene. Auch die Autofahrer schätzen ihre Geschwindigkeit häufig zu niedrig ein. Das Fazit von Meewes: die Geschwindigkeit muss runter. Das geht am einfachsten mit stationären Überwachungsanlagen - sprich Starenkästen. Auch bauliche Maßnahmen seien geeignet, doch bei den klammen Kassen der Kommunen eher die Ausnahme.

Insgesamt sind es Kleinigkeiten, die den Schulweg sicherer machen. Doch umgesetzt werden sie noch zu selten. Es beginnt bei den Eltern. Sie sollten den Schulweg mit ihren Kindern abgehen, den Weg zur Schule regelrecht üben und auf Gefahren hinweisen. Die Kinder sollten überwacht werden, durch die Eltern und auch die Polizei. Radwege sind notwendig, und zwar einer auf jeder Straßenseite. Das Radfahrer einen Helm tragen sollten, wissen die Eltern, sie tragen aber selten selbst einen. Mittelinseln sind eine große Hilfe beim Überqueren der Straße. Und - besonders wichtig - die Schüler müssen für die Autofahrer zu sehen sein und umgekehrt. Zugeparkte Wege, Büsche auf Verkehrsinseln oder Bäume vor Zebrastreifen schaden den "Sichtbeziehungen" und reduzieren auf diese Weise die Sicherheit.

Die Umsetzung des Forderungskatalogs der Verkehrsexperten wird sich kaum durchsetzen lassen. Es fehlt am Geld und wohl auch am guten Willen. Viele Autofahrer würden sich bevormundet fühlen, wenn mehr Starenkästen und Tempo 30-Zonen die Fahrt verlängern. Aber vielleicht würden viele etwas langsamer fahren, wenn dann nicht mehr alle 14 Minuten ein Kind im Straßenverkehr verunglückt.

Kostenloses Prospektmaterial für Schulen und Eltern ist beim Gesamtverband der Versicherer erhältlich. (ar/sb)

 
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