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Aquaplaning - wenn das Auto schwimmen geht
Wednesday, 19. October 2005
Aquaplaning - wenn das Auto schwimmen geht. Foto: ar/ADAC
Aquaplaning - wenn das Auto schwimmen geht. Foto: ar/ADAC
 
Das Regenwasser spritzt laut an den Unterboden, die Scheibenwischer haben Mühe, das Wasser von der Frontscheibe zu bringen. Wer jetzt mit dem Tempo nicht heruntergeht, geht höchstes Risiko. Verlieren die Reifen erst einmal den Kontakt zur Fahrbahn, wird es schnell brenzlig, das Auto unter Umständen zum unkontrollierbaren Geschoss. Experten sprechen von Aquaplaning.

Viele Autofahrer unterschätzen das Unfallrisiko durch Aquaplaning, hat eine Untersuchung des Unfallforschers Dieter Ellinghaus ergeben. Denn Aquaplaning trifft nicht nur Raser, die selbst bei Wolkenbrüchen mit 160 km/h über die linke Spur pflügen. Schon bei wesentlich niedrigeren Geschwindigkeiten schwimmen die Reifen auf.

In drei Phasen unterteilen die Experten von Reifenhersteller Uniroyal den Ablauf des Aquaplanings.

Phase 1: Bei niedriger Geschwindigkeit drückt sich das Reifenprofil durch den Wasserfilm fest auf die Straße. Die Profilrillen führen das Wasser nach vorne, nach hinten und zur Seite ab. Noch ist der Bodenkontakt völlig vorhanden.

Phase 2: Nimmt die Geschwindigkeit zu oder steht mehr Wasser auf der Straße, füllen sich die Profilrillen völlig. Da nun kein Wasser mehr aufgenommen werden kann, bildet sich vor dem Reifen eine regelrechte Bugwelle. Reduziert der Fahrer vorsichtig die Geschwindigkeit, kann er Aquaplaning gerade noch verhindern.

Phase 3: Noch mehr Wasser oder noch höhere Geschwindigkeiten führen dazu, dass der Wasserkeil den Reifen von der Fahrbahn trennt. Er schiebt sich immer weiter zwischen Asphalt und Pneu und hebt die gesamte Lauffläche des Reifens von der Fahrbahn ab. Das Fahrzeug schwimmt auf, fährt regelrecht Wasserski. Lenken oder Bremsen ist nicht mehr möglich.

Nicht nur die Geschwindigkeit und die Menge des Regens auf der Straße entscheidet darüber, ob es zum Aquaplaning kommt. Ganz wichtig ist auch, dass die Autoreifen genügend Profil haben. Reifen können nämlich nur bis zu einem gewissen Grad das Wasser zwischen Straße und Reifen wegschaffen. Voraussetzung dafür: viel Profil. Ein VW Golf, mit neuen Reifen ausgerüstet, geriet in einem Versuch von Uniroyal bei 78 km/h ins Schwimmen. Unter gleichen Versuchsbedingungen, jedoch mit einem Restprofil von 1,6 Millimetern, schwamm der Golf schon bei 62 km/h unlenkbar auf der Straße. Wohlgemerkt: Bei 1,6 Millimeter Profiltiefe handelt es sich noch nicht um abgefahrene Reifen, jedenfalls nicht in den Augen des Gesetzgeber.

Übrigens verstärken abgenutzte Stoßdämpfer den Aufschwimmeffekt erheblich. Bis zu 16 km/h früher als mit funktionstüchtigen Stoßdämpfern verlieren die Reifen den Kontakt zur Fahrbahn.

Fuß vom Gas heißt eine eiserne Regel bei Regen. Die zweite: Behalten Sie die Straße genau im Auge. Aquaplaning-Fallen lassen sich nämlich erkennen: In Vertiefungen in der Fahrbahn steht das Wasser ebenso wie in Spurrillen. Gefährlich sind auch besonders breite Straßen, auf denen das Wasser lange braucht, um abzulaufen. Ebenso lauert erhöhtes Aquaplaning-Risiko in S-Kurven im Bereich des Übergangs zwischen den beiden Kurven.

Es gibt jedoch noch weitere Indizien für zuviel Wasser auf der Straße: das Autolicht reflektiert bei Nacht kaum. Auch wenn ein vorausfahrendes Auto keine Spuren hinterlässt, herrscht Alarmstufe. Denn dies bedeutet: die Spuren laufen blitzschnell mit Wasser voll.

Wenn folgende Anzeichen auftreten, ist schon fast alles zu spät: Bei einem frontgetriebenen Auto heult der Motor plötzlich auf, ohne dass der Fahrer mehr Gas gegeben hat. Die Vorderräder haben den Fahrbahnkontakt verloren und drehen wie auf Glatteis durch. Bei an den Hinterräder angetriebenen Fahrzeuge sind die ersten Anzeichen schwerer zu erkennen, denn die nicht angetriebenen Vorderräder werden sozusagen in die Wasserfalle geschoben. Ein verändertes Abrollgeräusch sowie ein Ziehen und Zerren am Lenkrad sind die einzigen Hinweise auf die drohende Gefahr.

Wenn Sie in die Wasserfalle hingefahren sind, hilft nur eins: Sofort runter vom Gas, die Kupplung treten, sanft abbremsen. Und vor allem: die Lenkung in Geradeausstellung festhalten. Auf keinen Fall wild am Lenkrad herumkurbeln; denn sonst stellt sich das Fahrzeug in dem Moment quer, wenn die Reifen wieder Kontakt zur Fahrbahn bekommen, und gerät möglicherweise ins Schleudern. Einen Vorteil haben alle die Fahrer, deren Auto mit ESP ausgerüstet ist: Das Elektronische Stabilitäts-Programm bremst von sich aus das Fahrzeug sanft herunter, wenn die Reifen durchdrehen.

Ein Tipp für alle Autofahrer, deren Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind: Spätestens dann, wenn sich das Profil der Vier-Millimeter-Grenze nähert, gehören die Reifen mit dem besten Profil immer an die Hinterachse. Unabhängig davon, ob es sich um einen Front- oder einen Hecktriebler handelt. Grund: Während sich der Verlust der Bodenhaftung an der Vorderachse vom Fahrer mit einiger Übung noch abfangen lässt, hat er praktisch keine Chance mehr, wenn die Hinterräder den Kontakt zur Fahrbahn verloren haben. Die setzen dann nämlich recht schnell zum Überholen an. (ar/kj)
 
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