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Chinesische Automobilzulieferer nehmen Kurs auf Europa |
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Tuesday, 12. July 2011 |
 | | Die Chinesen gehen inzwischen gezielt auf Einkaufstour. Foto: UnitedPictures/ar.NET | | |
Trotz der während der Automobilkrise in den Jahren 2008 und 2009 weltweit rund 350 angemeldeten Insolvenzen von Automobilzulieferern habe eine Konsolidierung der Branche kaum stattgefunden.
Trotz der während der Automobilkrise in den Jahren 2008 und 2009 weltweit rund 350 angemeldeten Insolvenzen von Automobilzulieferern habe eine Konsolidierung der Branche kaum stattgefunden. In Bewegung komme der Markt allerdings vor allem durch chinesische Investoren, die sich längst nicht mehr auf günstige Zukäufe angeschlagener Unternehmen fokussierten, sondern inzwischen gezielt nach westlichen Firmen suchten, so das Fazit der Unternehmens- und Strategieberatung Roland Berger in ihrer neuen Studie "Chinese Appetite - Emerging market players are buying into the European auto supplier industry". Im chinesischen Fokus sind Unternehmen, mit denen die Chinesen ihre eigene technologische Wettbewerbsposition verbessern können.
Die Studie hält fest: Nach den Krisenjahren 2008 und 2009 hat sich der Markt für die weltweite Zulieferindustrie deutlich erholt; die Anzahl der Insolvenzen ging signifikant zurück. Selbst Zulieferer, die in den Krisenjahren Insolvenz anmelden mussten, wurden überwiegend weitergeführt und anschließend veräußert. Dass eine Konsolidierung im Sinne einer Marktbereinigung weitgehend ausblieb, dafür macht Berger-Experte Marcus Berret vor allem die Automobilhersteller verantwortlich. Deren Strategie liege darin, die Marktanteile jedes einzelnen Zulieferers je nach Produktsegment unter maximal 40 Prozent zu halten, weil zu große Marktanteile in einem bestimmten Marktsegment zu einer Übermacht der Zulieferer führten. Infolgedessen könnten die dann die Produktpreise selbst bestimmen, und das ginge zulasten der Abnehmer.
Die weltweite Zahl der M&A-Transaktionen in der Zuliefersparte nimmt laut Studie zu. Die generellen Marktbedingungen für Übernahmen seien wieder besser. Ein klarer Trend zeichne sich im Transaktionsmarkt ab: Waren vor der Krise noch die Finanzinvestoren die zentralen Spieler im Transaktionsgeschäft, verlagerte sich während der Krise der Schwerpunkt auf industrielle, strategische Investoren.
Zunehmend seien vor allem strategische Investoren aus Asien, allen voran aus China, daran interessiert, westliche Zulieferer zu übernehmen, um sich neue Marktanteile zu sichern und technologisches Know-how zu erwerben. "Die OEMs setzen dem nur wenig entgegen, weil sie eine weitere Qualifizierung der chinesischen Zuliefererbasis durchaus wünschen. Gleichzeitig besteht die Hoffnung auf eine Kombination von chinesischen Low-Cost-Ansätzen mit westlicher Technologie. Chinesische Investoren haben verstanden, dass gute Unternehmen entsprechend viel kosten, und sind mittlerweile bereit, dafür zu zahlen. Außerdem haben sie ihre Übernahmeprozesse erheblich professionalisiert", so Dirk Kohlen, Principal bei Roland Berger
Die Studie macht darauf aufmerksam, dass die Expansion chinesischer Zulieferer auf dem europäischen Markt nicht zuletzt auf die Wirtschaftspolitik der Volksrepublik China zurückzuführen sei. Im Rahmen des aktuellen Fünfjahresplans zielten chinesische Unternehmen darauf, ihre technologische Position durch Investitionen im Ausland zu verbessern und zu global agierenden Marktführern in ihren jeweiligen Segmenten zu werden. Die chinesische Automotive-Branche strebe ein Jahreswachstum von mindestens zehn Prozent an. Bis 2012 soll die Automobilproduktion in China um 22 Prozent im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2007 zunehmen. (ar.NET/wr) |