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Vorstellung Ecocraft ES: Mit der Kraft der 14 Batterien
Tuesday, 12. August 2008
Ecocraft Ecocarrier. Foto: ar
Ecocraft Ecocarrier. Foto: ar
 
Ecocraft Ecocarrier. Foto: ar
Ecocraft Ecocarrier. Foto: ar
Ecocraft Ecocarrier. Foto: ar
Ecocraft Ecocarrier. Foto: ar
Ecocraft Ecocarrier. Foto: ar
Ecocraft Ecocarrier. Foto: ar
Anfängern spielt der Ecocraft Ecoccarier einen typischen Elektrofahrzeugstreich: Während der Fahrer die Zündung eingeschaltet hat und den Schlüssel zum Starten noch weiter drehen will, läuft der Motor längst lautlos im Stand. Zum Anfahren genügt der Tritt aufs Gaspedal. Der Schalthebel zwischen den beiden Sitzen kennt nur drei Positionen: Neutral, Vorwärts und Rückwärts. Kuppeln entfällt.

Der Ecocraft Ecocarrier ist ein Elektrotransporter, der im Alltagsverkehr gut mitschwimmen kann. Bescheidene 15 kW / 20,5 PS reichen, um den eine Tonne schweren Ecocarrier Short (ES) mit kurzen Radstand mit leisem Surren auf abgeregelte 75 km/h zu beschleunigen. Zu verdanken ist das dem gewaltigen Drehmoment von über 950 Newtonmetern des kleinen Elektromotors, den das Unternehmen aus Wunstorf in der Nähe von Hannover selbst entwickelt hat. Diese Kraft sorgt auch dafür, dass der Wagen nach dem Stopp an der Kreuzung oder vor der Ampel relativ flott wieder Fahrt aufnimmt und nicht zum Verkehrshindernis wird. In 8,5 Sekunden hat der Ecocraft ES aus dem Stand 50 km/h erreicht. Die Lenkung arbeitet sehr präzise, aber recht schwergängig. Ohnehin ist der Ecocarrier ganz dem Einsatzzweck entsprechend auf Robustheit und möglichst einfache Konstruktion ausgelegt, um die durch den Elektroantrieb geringen Unterhaltskosten so niedrig wie möglich zu halten.

In der zweisitzigen Fahrerkabine regiert Zweckmäßigkeit. Das spartanische Cockpit wird von einem Digitaltachometer bestimmt, der zusätzlich zur Geschwindigkeit noch Auskunft über den Ladezustand der Batterien und den Kilometerstand gibt. Das wars. Darunter finden sich einige Kontrollleuchten für Blinker und Licht sowie daneben sechs Knöpfe, die zum Teil nicht belegt sind, und unter anderem zur Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit und damit auch zur Reichweitenverlängerung dienen.

Auch ansonsten fällt die Innenausstattung recht spartanisch aus. Ein Fach in den Türen und unter den Sitzen sowie zwei kleine Ablagen im Armaturenbrett müssen reichen. Dafür ist der Flaschenhalter auch für Thermoskannen groß genug. Hinter die Sitze passen noch kleine Werkzeugkoffer oder die Aktentasche. Eine Heizung, Zigarettenanzünder und Aschenbecher komplettieren die Ausstattung. Statt Kurbel- gibt es Schiebefenster.

Mehr als ein Drittel des Fahrzeuggewichts entfällt auf die 14 und zusammen 380 Kilogramm schweren 6-Volt-Batterien, die für 84 Volt und 230 Ampere sorgen. Ecocraft nennt eine Reichweite von rund 80 Kilometern. Damit empfehlen sich die Zero-Emission-Nutzfahrzeuge vor allem für den innerstädtischen Verteilerverkehr und für Kommunen, aber auch Handwerksmeister mit überschaubarem Einzugsgebiet.

Für eine Vollaufladung werden acht bis zehn Stunden benötigt. Wer die Batterien nicht leer fährt kann in zwei, drei Stunden Nachladezeit wieder 60 bis 70 Prozent der Kapazität erreichen. Sollten sich im Fahrbetrieb die Leistungsreserven dem Ende nähern, schaltet der Ecocarrier automatisch auf ein Notlaufprogramm um. Eine aufleuchtende Schildkröte signalisiert dann, dass die Geschwindigkeit vorläufig auf 30 km/h begrenzt wird, damit sicher die nächste Steckdose erreicht werden kann. Die Lebensdauer der Bleisäurebatterien ist auf sieben Jahre ausgelegt, der Hersteller empfiehlt zur Erhaltung der vollen Leistungen einen rund 3000 Euro teuren Wechsel nach etwa fünf Jahren.

Neben dem ES mit 400 Kilogramm Nutzlast wird die Langversion EL angeboten, die über 850 Kilogramm Nutzlast verfügt. Hinten mit Starrachse und Blattfedern ausgerüstete ersetzt dieses Modell auf Kundenwunsch den bislang im Programm geführten Dreiachser mit gleicher Ladekapazität.

Das Design der Fahrerkabine erinnert nicht nur zufällig an den Land Rover Defender. Einer der Ecocraft-Geschäftsführer ist Fan des Geländewagens und Kühlergrill, Frontscheinwerfer und Türen stammen tatsächlich vom britischen Hersteller. Auch ansonsten kauft Ecocraft bei renommierten Autobauern ein. Das Lenkrad stammt vom Polo und wird ebenso wie die Bremsen bei Volkswagen bestellt, die Achsen liefert Skoda.

Während die Fahrzeuge zwischenzeitlich beim renommierten Auftragsfertiger Karmann in Osnabrück gebaut werden, werden die Aufbauten in Handarbeit in Wunstorf gefertigt. Zum Standardprogramm gehören eine Pritsche und ein Kofferaufbau sowie Plane und Spiegel. Kurz vor der technischen Abnahme steht zudem ein zusätzlicher Leiter- und Rohr-Träger für die Pritschenfahrzeuge. In Vorbereitung ist außerdem eine dreisitzige Ausführung. Ecocraft arbeitet zudem an einer Hybridvariante seines Ecocarriers, bei dem ein Verbrennungsmotor die Batterien während der Fahrt nachlädt.

Der Ecocarrier kostet zwischen 25 000 und 28 000 Euro. Dazu kommen 50 Euro Kfz-Steuer im Jahr sowie Treibstoffkosten von unter 3,70 Euro pro 100 Kilometer. Rund 300 Fahrzeuge will Ecocraft in diesem Jahr absetzen und wird auch auf der IAA Nutzfahrzeuge (25. September bis 2. Oktober 2008) in Hannover präsentieren. (ar/jri)
 
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