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Kommentar: Berlins Feinstaub trifft Afrikas reisefreudigen Flugsand
Thursday, 15. September 2011
Wolfram Riedel. Foto: ar.NET
Wolfram Riedel. Foto: ar.NET
 
Es ist nicht zu fassen, wie das Volk umweltpolitisch veräppelt wird. Würden eifernde Umwelt-Brigaden die Realitäten lediglich durch ihre grüne ideologische Brille erfassen, könnte man das, was sie behaupten, als Folge latenter Sehschwäche durchgehen lassen.

Es ist nicht zu fassen, wie das Volk umweltpolitisch veräppelt wird. Würden eifernde Umwelt-Brigaden die Realitäten lediglich durch ihre grüne ideologische Brille erfassen, könnte man das, was sie behaupten, als Folge latenter Sehschwäche durchgehen lassen. Aber so Wenn selbsternannte Umweltschützer lauthals Erfolge feiern, die es im Grunde gar nicht gibt, wird's einigermaßen bedenklich. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) posaunt, die deutsche Hauptstadt habe bei der Reduzierung des "gesundheitsschädlichen verkehrsbedingten Feinstaubs" außerordentliche Fortschritte gemacht; nämlich 17 vergleichbare westeuropäische Städte mit einem 50-Prozent-Erfolg glatt an die Wand gespielt. Der Jubel gab sogar eine dpa-Nachricht her. Wem soll der plötzliche Partikelschwund in der Berliner Luft zu verdanken sein - Klar doch, zuerst der 2008 eingerichteten Umweltzone der Metropole. Soll heißen: Goldrichtig war's, Fahrzeuge mit älteren Dieselmotoren, die gescholtenen angeblichen Partikelproduzenten, gern auch abfällig "als Stinker" beschimpft, aus dem großräumigen Schutzraum innerhalb des Berliner S-Bahn-Rings zu verbannen. Gesagt, getan. Etappenweise. Doch der Effekt bleibt offensichtlich aus. Messwarten des Berliner Senats innerhalb der Umweltzone registrieren nach wie vor jene Grenzwertüberschreitungen, die es laut EU-Festlegung jedoch höchstens an 35 Tagen im Jahr geben darf. Das amtliche Limit ist inzwischen hier und da erreicht, das Jahr 2011 aber noch lange nicht um. Da liegt es nahe zu lästern: Hat das Aussperren von Fahrzeugen im Grunde nichts gebracht - Um solche Schlussfolgerung abzuwehren, wird emsig an Theorien gestrickt, die den anhaltenden Feinstaubanteil in der Luft der Berliner Umweltzone erklären sollen. Und man wird auch tätig. Beispielsweise will der Senat den Partikelausstoß der BVG-Busse unter die Lupe nehmen. Dabei dachte man eigentlich, dass sei längst geschehen. Auch auf die verkehrsorganisatorisch hilfreiche, gewiss auch umweltfreundliche Idee, die lästigen roten Wellen in der Stadt, zu jeder Tageszeit anhaltende Fortbewegung à la Stopp & Go erzwingend, in grüne Wellen zu verwandeln, kam der Senat bislang nicht. Feinstaubwächter beschäftigen sich lieber mit Erklärungen, warum die Umweltzone nicht solche Messwerte hergibt, die sich als eingetroffene Wirkung auslegen lassen. Mal ist schlechthin das Wetter schuld, mal sind es vor allem böse Winde, die die Bilanz verderben. Auch Amüsantes macht in offiziellen Statements die Runde: Die Berliner Luft, so hieß es in einer Erklärung, leide einfach stark unter Schadstoffen, die der Wind aus dem Umland in die Spreemetropole trage. Damit ist nicht allein Brandenburg gemeint. Entdeckt worden seien sogar Feinstaubpartikel, die nachweislich aus der Sahara stammten! Reisefreudiger Flugsand sozusagen. Wenn das so ist, kann man eigentlich nur hoffen, dass aus der Ferne angereiste Feinstäube vor lauter Begeisterung, es bis an die Spree geschafft zu haben, keine Berlin-Werbung betreiben. Eingeschwebte Partikel bringen die Schadstoffstatistiker des Berliner Senats in Verlegenheit und die großräumige Umweltzone der deutschen Hauptstadt in Misskredit. Doch niemand weiß, wie reislustiger Feinstaub aus der Ferne dazu zu bringen wäre, nicht über die Berliner Umweltzone herzufallen oder sich wenigstens schleunigst wieder von der Spree zu verabschieden, sprich aus dem Staub zu machen. So ist das nun einmal: Über erklärte Umweltzonen wölbt sich keine Glocke. Sie bleiben äußeren Einflüssen ausgesetzt. Immerhin aber taugen sie für grüne PR, auf die Kommunen heutzutage dringend angewiesen sind. (ar.NET/Wolfram Riedel)
 
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