|
Kommentar: Amerikaner wollen hin, wo die Musik spielt |
|
Friday, 6. January 2012 |
 | | Foto: UnitedPictures/ar.NET | | |
Aus und vorbei sind sie, die Zeiten, in denen vor allem Amerika und Europa den Ton in der Weltpolitik angaben. Nicht ungern sahen sich die USA, wirtschaftlich und militärisch lange unvergleichlich potent, in beanspruchter Führungsrolle.
Aus und vorbei sind sie, die Zeiten, in denen vor allem Amerika und Europa den Ton in der Weltpolitik angaben. Nicht ungern sahen sich die USA, wirtschaftlich und militärisch lange unvergleichlich potent, in beanspruchter Führungsrolle. Nachdem sich aber die Augen weltpolitisch zunehmend auf Entwicklungen im asiatisch-pazifischen Raum richten, mit China zuerst im Visier, müssen sich auch die Vereinigten Staaten umorientieren. Einerseits haben sie zu verhindern, dass sie das, was sich im "Gravitationszentrum von Weltpolitik und globalisierter Wirtschaft im 21. Jahrhundert" (FAZ) tut, nicht lediglich vom Spielfeldrand aus beobachten können. Will Amerika in dieser Region mitmischen, bleibt nichts weiter übrig, als zuerst die Rechnung mit dem mächtigen China zu machen; wirtschaftlich und militärisch. Sich etwa auf rüde Weise ins Geschehen einzumischen, wäre gefährlich. Gilt es doch, die neuen Kräfteverhältnisse zu berücksichtigen. Kaum jemand zweifelt inzwischen daran, dass sich die eigenwillige Volksrepublik China demnächst stolz als die weltgrößte Volkswirtschaft präsentieren wird. Deren militärische Stärke braucht gar nicht erst ins Spiel gebracht werden. Sie spricht Bände. Die zunehmende Dominanz Chinas mag den Vereinigten Staaten, aber auch manchem Land in der südost- und ostasiatischen Region Unbehagen bereiten. Vielgestaltiges Konfliktpotenzial schlummert durchaus. Auch China selbst sorgt öfter für Überraschungen. Erst kürzlich brachte General Motors und Chrysler auf die Palme, dass jene Autos fortan mit Strafzöllen von 12,9 bzw. 8,8 Prozent belegt werden, die die Autobauer nach China exportieren. Keine Gelegenheit lässt die Führung des Landes aus, um zu demonstrieren, dass es trotz aller Marktwirtschaft noch immer die Kommunistische Partei ist, die die politischen Fäden in der Hand hält. Differenzen wird es weiterhin geben. Entschärfen, besser aber noch von vornherein vermeiden lassen sich Konflikte nur, wenn in der ins Blickfeld gerückten asiatisch-pazifischen Region vernünftige Bündnispolitik zu allseitigem Nutzen betrieben wird; insbesondere auf wirtschaftlichem Gebiet. In Partnerschaften verbieten sich Hahnenkämpfe von selbst. Den Lauf der Dinge wird aber auch oder vor allem bestimmen, wie sich die amerikanisch-chinesischen Beziehungen nach der Ankündigung einer stärkeren Militärpräsenz der USA im asiatisch-pazifischen Raum entwickeln. Nicht leicht fallen dürfte es den Amerikanern bei anhaltenden militärischen Drohgebärden Chinas, von der gern verfolgten eigenen Politik der Stärke abzulassen. Ein Gleichgewicht der Kräfte kann friedenstiftend wirken. (ar.NET/Wolfram Riedel) |