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Es lebe die Ampelfrau!
Tuesday, 19. July 2011
In Hamm ausgemustert: der Ampelmann. Foto: ar.NET
In Hamm ausgemustert: der Ampelmann. Foto: ar.NET
 
Korrekt muss es zugehen in Deutschland. Sorgen sollen dafür auch Sprachregelungen samt mühsam gedrechselter alberner Umschreibungen, deren einziger Zweck es ist, missliebige wahre Sachverhalte zu verkleistern.

Korrekt muss es zugehen in Deutschland. Sorgen sollen dafür auch Sprachregelungen samt mühsam gedrechselter alberner Umschreibungen, deren einziger Zweck es ist, missliebige wahre Sachverhalte zu verkleistern. Wer sich nicht an solche Vorgaben hält, dem drohen zwar keine Peitschenhiebe (kann ja noch kommen), aber gefallen lassen muss er sich schon, dass sein Name zu vielseitiger Ächtung öffentlich ausgeschrieben wird. Gott sei Dank geht es beim Korrektsein auch ganz lustig zu. Dass es Frau und Mann gibt, hat die Natur bekanntlich so bestimmt. Wenn es heute aber etwa bei Begrüßungsreden in eingeforderter Korrektheit heißt "Liebe Teilnehmer und Teilnehmerinnen", müsste parallel dazu nicht auch grundsätzlich von dem Menschen und der Menschin gesprochen werden Gut, der liebe Gott möge ausnahmsweise außen vor bleiben, obwohl eine ins Spiel gebracht Göttin durchaus eine reizvolle Alternative wäre. Endlich weg aber mit abgegriffenen, völlig unzeitgemäßen Sprichwörtern, wie sie noch immer unbedarft Verwendung finden. Dem Ausruf "Da laust mich der Affe!" fehlt's doch eindeutig an Kompatibilität. Möglich sein muss doch, sich alternativ geschlechtsspezifisch zu entrüsten: "Da laust mich die Äffin"! Gleiches Recht für alle. Übertragen auf die tierische Ebene müsste es beispielsweise am Eingang schützenswerter Parkanlagen konsequenterweise auch heißen: "Für Hunde und Hündinnen verboten!" Man sieht, in Deutschland geht es noch längst nicht immer korrekt zu. Offensichtlich hält sich enormer Nachholbedarf. Dem widmete sich jetzt auch der Oberbürgermeister der nordrhein-westfälischen Stadt Hamm. Aus Anlass des 100. Weltfrauentags im April ließ er an einer Ampelanlage den symbolischen grünen Ampelmann, der bislang Fußgänger gefahrlos über die Fahrbahn geleitete, durch eine fesche Ampelfrau mit Zopf und Rock ersetzen. Was der ausgemusterte Ampelmann von der Aktion hält, war offensichtlich nicht von Belang. Er wurde nicht gefragt. Achtung, so fängt Diskriminierung an! Was soll's! Ampelmänner, respektlos auch zu Ampelmännchen gemacht, sind ja noch immer in der Mehrzahl. Einzig und allein zählt, dass es dank der Initiative eines Oberbürgermeisters wenigstens wieder ein bisschen verhältnismäßiger, ein wenig politisch korrekter zugeht in unserem sprachgeregelten Wunderland. Es lebe die Ampelfrau! (ar.NET/Wolfram Riedel)
 
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